Artikel 3 · Krisenplan
Wie ich mit deutlichen Depotverlusten umgehen will
Ein konzentriertes Aktiendepot kann stark fallen. Das weiß ich heute in der Theorie. Ob ich in einer wirklichen Krise ebenso ruhig bleibe, kann ich erst dann beweisen. Deshalb möchte ich meinen Prüfprozess festhalten, bevor Angst oder Euphorie meine Entscheidungen bestimmen.
Die unbequeme Realität
Ein Verlust von 30 oder 50 Prozent ist mehr als eine Zahl
Prozentwerte wirken nüchtern, solange sie nicht das eigene Geld betreffen. In einem echten Rückgang kommen Nachrichten, Zweifel und das Gefühl hinzu, früher hätte handeln zu müssen. Bei einem konzentrierten Depot können einzelne Positionen noch stärker fallen als der Gesamtmarkt.
Die Verbraucherzentrale erinnert daran, dass sich breit gestreute Aktienanlagen zeitweise etwa halbieren können. Mein Depot ist deutlich konzentrierter als ein Weltindex. Ich darf deshalb nicht so planen, als wären große Rückgänge eine seltene theoretische Ausnahme.
Vor der Krise
Die wichtigste Vorbereitung findet nicht während des Rückgangs statt
Ich investiere nur Geld, das langfristig gebunden bleiben kann. Eine getrennte Liquiditätsreserve soll verhindern, dass ich Aktien ausgerechnet dann verkaufen muss, wenn ich das Geld für laufende Ausgaben benötige. Ebenso wichtig ist eine Positionsgröße, deren Verlust ich tatsächlich tragen könnte.
Wenn ein Rückgang meine Existenz, meinen Schlaf oder wichtige Lebensziele bedroht, war nicht der Markt unvernünftig, sondern meine Risikoplanung möglicherweise zu aggressiv. Diese Erkenntnis sollte vor dem Kauf stehen.
Mein Ablauf
Was ich in einer starken Verlustphase tun möchte
- Nicht im ersten Schreck handelnIch prüfe zunächst Ursache und Größenordnung, statt den Kursalarm mit einer Verkaufsorder zu beantworten.
- Markt, Branche und Unternehmen trennenEin allgemeiner Rückgang verlangt eine andere Analyse als ein Bilanzproblem nur einer Position.
- Thesen und Abhängigkeiten neu prüfenIch kontrolliere, ob mehrere Depotwerte durch denselben Engpass oder Nachfragerückgang getroffen werden.
- Finanzielle Tragfähigkeit bewertenLiquidität, Schulden, Mittelzufluss und Kapitalbedarf entscheiden, ob ein Unternehmen eine Krise überstehen kann.
- Drei Handlungen zulassenHalten, reduzieren oder verkaufen sind gleichwertige Möglichkeiten. Nachkaufen ist keine Pflicht.
Meine Verbote
Was ich möglichst vermeiden möchte
Ich möchte nicht auf Kredit nachkaufen, nur um meinen Einstandskurs zu senken. Ich möchte Verluste nicht durch immer größere Positionen „zurückholen“. Und ich möchte nicht täglich eine neue Strategie beginnen, weil eine andere Anlageklasse gerade besser aussieht.
Ebenso gefährlich wäre blindes Durchhalten. Der Satz „langfristig geht es immer wieder hoch“ gilt nicht zuverlässig für jedes einzelne Unternehmen. Ein Markt kann sich erholen, während eine schwache Firma dauerhaft zurückbleibt oder verschwindet.
Kein starrer Prozentautomat
Warum ich nicht bei minus 20, 30 oder 50 Prozent automatisch verkaufe
Starre Schwellen geben Sicherheit, können aber die falsche Information verwenden. Derselbe Kursverlust kann bei zwei Unternehmen völlig unterschiedliche Ursachen haben. Deshalb definiere ich keine automatische Verkaufsmarke für alle Positionen.
Prozentwerte nutze ich als Alarmsignal für eine vertiefte Prüfung, nicht als fertige Entscheidung. Wenn fundamentale Fakten fehlen oder ich eine Situation nicht mehr verstehe, ist auch diese Unsicherheit ein Risiko, das eine kleinere Position rechtfertigen kann.
Mein Fazit
Ruhe bedeutet prüfen können – nicht nichts tun
Mein Krisenplan soll mir Zeit zwischen Gefühl und Handlung verschaffen. Ich möchte Schwankungen aushalten können, ohne mich an eine widerlegte These zu klammern. Entscheidend ist, dass ich vor einer Krise festlege, welches Geld investiert werden darf und welche Fakten meine Haltung verändern würden.
Weiterführende deutsche Quellen