Kapitalexperiment verstehen · Teil 3 von 6
So messen wir die Depotentwicklung
Ein Depotwert allein sagt wenig aus. Entscheidend ist, womit er verglichen wird, zu welchem Stichtag er gilt und welche Geldbewegungen darin stecken. Deshalb lege ich hier offen, wie Kapitalexperiment die Entwicklung berechnet – und was diese vereinfachte Messung ausdrücklich nicht leisten kann.
Der Grundsatz
Erst die Messregel, dann das Ergebnis
Renditen wirken objektiv, können aber je nach Startpunkt, Zeitraum und Berechnung sehr unterschiedlich aussehen. Wer erst nach einem guten oder schlechten Ergebnis auswählt, welche Zahl gezeigt wird, erzeugt ein verzerrtes Bild. Deshalb soll die Methode vor der langfristigen Auswertung feststehen und auch in schwachen Börsenphasen gelten.
Kapitalexperiment trennt dabei zwei Ebenen. Öffentlich zeigt die Startseite eine relative Entwicklung ohne konkrete Euro-Beträge. Im geschützten Mitgliederbereich werden zusätzlich Depotwert, Positionen, Stückzahlen, Cash und Gewichtungen dargestellt. Beide Ansichten beruhen auf denselben erfassten Wochenständen.
1 · Ausgangspunkt
175.000 Euro entsprechen dem Indexstand 100
Für das Experiment gilt ein Referenzkapital von 175.000 Euro. Dieser Betrag bildet den Startpunkt der Depotmessung. In der öffentlichen Grafik wird er nicht als Euro-Wert, sondern als Index 100 dargestellt.
Ein rein rechnerisches Beispiel: Würde das Depot an einem Stichtag 183.750 Euro betragen, läge der öffentliche Index bei 105. Das entspräche einem Plus von fünf Prozent gegenüber dem Referenzkapital. Dieses Beispiel dient nur zur Erklärung der Formel und ist kein aktueller Depotstand.
2 · Datengrundlage
Ein nachvollziehbarer Stand pro Datum
Die Entwicklung wird anhand datierter Depotstände dokumentiert. Für jeden Wochenstand werden der vom Broker ausgewiesene Gesamtwert einschließlich Cash, der Wert der Wertpapiere, der Cashbestand und ein aus den Einzelpositionen berechneter Gesamtwert erfasst. Hinzu kommen die Positionen und die für diesen Stand verwendeten Wechselkurse.
Jedes Datum darf nur einmal vorkommen. Ein neuer Stand ergänzt die Historie, statt einen früheren Wert still zu überschreiben. Dadurch bleibt sichtbar, wie sich das Depot von Stichtag zu Stichtag entwickelt hat. Die Messung ist dennoch keine Echtzeitkurve: Bewegungen zwischen zwei erfassten Daten werden nicht einzeln abgebildet.
- DatumDer Wochenstand wird einem eindeutigen Stichtag zugeordnet.
- Broker-GesamtwertDieser Wert einschließlich Cash ist die maßgebliche Größe für die dargestellte Depotentwicklung.
- KontrollrechnungPositionen, Cash und Wechselkurse liefern einen zweiten, rechnerischen Gesamtwert.
- HistorieNeue Stände werden ergänzt; Abweichungen oder methodische Änderungen müssen nachvollziehbar bleiben.
3 · Veränderung
Absolute Entwicklung und prozentuale Rendite
Die absolute Entwicklung ist die Differenz zwischen dem aktuellen Broker-Gesamtwert und dem Referenzkapital. Für die prozentuale Entwicklung wird diese Differenz durch das Referenzkapital geteilt und mit 100 multipliziert.
Für die Anzeige „Rendite Depot dieses Jahr“ gilt im Startjahr 2026 ebenfalls das Referenzkapital von 175.000 Euro als Ausgangswert. In späteren Kalenderjahren wird der erste erfasste Depotwert des jeweiligen Jahres mit dem neuesten Stand dieses Jahres verglichen. Deshalb ist die Jahreszahl nicht automatisch mit der Entwicklung seit Beginn des Experiments identisch.
4 · Plausibilitätsprüfung
Brokerwert und berechneter Gesamtwert haben verschiedene Aufgaben
Der Broker-Gesamtwert ist für die sichtbare Entwicklung maßgeblich. Zusätzlich wird aus dem Wert aller Positionen und dem Cashbestand ein Gesamtwert berechnet. Diese zweite Zahl dient als Kontrolle, nicht als heimlicher Ersatz des Brokerwerts.
Zwischen beiden Werten können kleine Unterschiede entstehen – etwa durch Wechselkurse, Rundungen oder unterschiedliche Bewertungszeitpunkte. Eine Abweichung ist deshalb nicht automatisch ein Fehler. Sie ist aber ein Anlass, Daten und Umrechnung zu prüfen, statt eine Zahl ungeklärt zu übernehmen.
Positionen in Euro werden ohne Währungsumrechnung berücksichtigt. Für Werte in US-Dollar oder japanischen Yen werden die zum Wochenstand dokumentierten Umrechnungskurse verwendet. So lässt sich später nachvollziehen, welcher Kurs in die Kontrollrechnung eingeflossen ist.
5 · Zusammensetzung
Cash und Positionsgewichte beziehen sich auf den berechneten Gesamtwert
Die Gewichtung einer Aktie ergibt sich aus ihrem in Euro umgerechneten Positionswert geteilt durch den berechneten Gesamtwert. Die Cashquote wird nach demselben Prinzip ermittelt. Dadurch ergibt sich ein einheitliches Bild der Depotzusammensetzung.
Eine hohe Gewichtung ist keine Qualitätsbewertung. Sie zeigt zunächst nur, wie stark eine Position den Depotwert beeinflussen kann. Gerade bei einem konzentrierten Depot ist diese Information wichtig, weil wenige Werte einen großen Teil der Gesamtentwicklung bestimmen können.
6 · Vergleichswert
Die Immobilienzahl ist eine vereinfachte Überschussrendite
Auf der Startseite wird der zuletzt grob ermittelte jährliche Überschuss der vermieteten Wohnung von 7.200 Euro ins Verhältnis zum Referenzkapital von 175.000 Euro gesetzt. Daraus ergeben sich gerundet 4,11 Prozent pro Jahr.
Diese Zahl ist keine vollständige Immobilienrendite. Sie enthält insbesondere keine vollständige Betrachtung von Kauf- und Verkaufskosten, Wertveränderung, Steuern, sämtlichen Reparaturen, eigenem Zeitaufwand oder dem zeitlichen Verlauf der Zahlungen. Sie ist ein verständlicher Vergleichswert für den früheren laufenden Überschuss – nicht mehr.
Die Grenzen
Was die einfache Depotformel nicht beweist
Die Berechnung zeigt die nominale Wertveränderung gegenüber einem festgelegten Ausgangswert. Sie ist derzeit weder eine zeitgewichtete Rendite noch eine geldgewichtete Rendite oder interne Zinsfußberechnung. Damit trennt sie die Anlageleistung nicht automatisch von späteren Einzahlungen und Auszahlungen.
Solange keine zusätzlichen Kapitalbewegungen stattfinden, bleibt der Vergleich leicht verständlich. Sollte später Geld eingezahlt oder entnommen werden, müsste dies separat dokumentiert und die Methodik angepasst werden. Andernfalls könnte eine Einzahlung wie ein Anlagegewinn oder eine Entnahme wie ein Verlust aussehen.
Auch Gebühren, Dividenden und Steuern sind nicht in jeder Darstellung als eigene Bestandteile normalisiert. Sie wirken sich auf den Broker-Gesamtwert aus, soweit sie dort bereits verbucht sind. Die einfache Prozentzahl erklärt aber nicht, welcher Anteil der Veränderung aus Kursen, Ausschüttungen, Währungen, Kosten oder Abgaben stammt.
Schließlich macht ein präzise berechneter Wert die Anlageentscheidung nicht automatisch richtig. Er zeigt, was bis zu einem Stichtag geschehen ist. Er sagt weder die Zukunft voraus noch berücksichtigt er vollständig, wie unterschiedlich Immobilien- und Aktienrisiken sind.
Regeln für die Fortsetzung
So soll die Messung überprüfbar bleiben
- Stichtage benennenJeder veröffentlichte Depotstand erhält ein eindeutiges Datum.
- Keine rückwirkende SchönrechnungFrühere Werte werden nicht unbemerkt ausgetauscht, nur weil ein Ergebnis ungünstig aussieht.
- Kapitalbewegungen offenlegenZusätzliche Einzahlungen oder Entnahmen müssen getrennt erfasst und methodisch berücksichtigt werden.
- Methodenänderungen erklärenWenn die Berechnung erweitert wird, werden Anlass, Wirkung und Änderungsdatum dokumentiert.
- Grenzen mitveröffentlichenEine Kennzahl wird nicht ohne die Annahmen dargestellt, die für ihre Einordnung nötig sind.
Diese Regeln sollen keine wissenschaftliche Perfektion vortäuschen. Sie sollen verhindern, dass aus einer persönlichen Dokumentation nachträglich eine passende Erfolgsgeschichte gebaut wird. Ob das Experiment überzeugt, entscheidet nicht eine einzelne Woche, sondern eine über Jahre konsistent angewandte und verständlich erklärte Methode.