Cookie-Einstellungen

Werbung und technisch notwendige Dienste

Technisch notwendige Funktionen sind immer aktiv. Google AdSense für Werbung setzen wir nur mit deiner Zustimmung ein. Datenschutz · Impressum

Kapitalexperiment verstehen · Teil 1 von 6

Das Kapitalexperiment: Ausgangslage, Ziel und Regeln

Nach 25 Jahren wurde aus einer Immobilie ein konzentriertes Aktiendepot. Dieser Beitrag erklärt, wie es dazu kam, was wir mit dem Vergleich herausfinden wollen und welche Regeln verhindern sollen, dass aus dem Experiment im Nachhinein nur eine Erfolgsgeschichte gemacht wird.

Von Silvio Hoppe Veröffentlicht am 29.07.2026 Lesezeit: etwa 7 Minuten

Ausgangslage

Eine Immobilie, die lange zu meinem Leben gehörte

Im Jahr 2000 kaufte ich eine Eigentumswohnung für ungefähr 165.000 Euro. Zunächst nutzte ich sie selbst. Ab 2018 wurde die Wohnung vermietet. Damit war sie nicht nur ein Vermögenswert, sondern über viele Jahre auch mit Verantwortung, Verwaltung und laufenden Entscheidungen verbunden.

Nach rund 25 Jahren fiel meine persönliche Bilanz ernüchternd aus: Die Immobilie hatte praktisch keinen nennenswerten Wertzuwachs erzielt. Gleichzeitig blieb Kapital gebunden, das nicht kurzfristig umgeschichtet werden konnte. Dazu kamen Rücklagen, Instandhaltung, einzelne Reparaturen, Fahrten, Verwaltungsaufwand und das allgemeine Vermietungsrisiko.

Die letzte Kaltmiete lag bei ungefähr 800 Euro pro Monat. Grob 200 Euro monatlich gingen in den letzten Jahren für Rücklagen und Instandhaltung ab. Vor Steuern, einzelnen Reparaturen, Fahrten und dem eigenen Zeitaufwand blieben damit etwa 600 Euro im Monat beziehungsweise rund 7.200 Euro im Jahr.

Letzte Kaltmiete ca. 800 € pro Monat
Rücklagen und Instandhaltung ca. −200 € pro Monat
Vor weiteren Kosten und Steuern ca. 600 € pro Monat

Diese vereinfachte Rechnung ist keine allgemeine Immobilienbewertung. Sie bildet meine konkrete Situation ab und erklärt, warum die Immobilie für mich nicht mehr überzeugend genug war.

Die Entscheidung

Verkaufen statt einfach weitermachen

Im Dezember 2025 wurde die Wohnung verkauft. Nach Maklerkosten und Nebenkosten stand der frei investierbare Verkaufserlös zur Verfügung. Ab Januar 2026 begann ich mit den ersten Einzahlungen und Depotkäufen; im Juni 2026 war der für das Experiment vorgesehene Verkaufserlös vollständig investiert.

Ich entschied mich bewusst gegen eine weitere Immobilie. Ein wesentlicher Grund war die Flexibilität: Wertpapiere können grundsätzlich schneller neu gewichtet oder veräußert werden als gebundenes Immobilienkapital. Diese Flexibilität ist kein Schutz vor Verlusten. Sie verändert lediglich die Art, wie ich auf neue Informationen und veränderte Rahmenbedingungen reagieren kann.

Das neue Depot ist kein breit gestreutes Standarddepot. Es enthält wenige Unternehmen, von denen ich langfristig überzeugt bin. Im Mittelpunkt stehen Zukunftsthemen wie künstliche Intelligenz, Gesundheit, Wasser und Automatisierung. Gerade diese Konzentration macht den Vergleich interessant – und riskant.

Das Ziel

Eine echte Entscheidung über Jahre nachvollziehbar machen

Die zentrale Frage lautet: War es für mich langfristig besser, das Kapital weiter in der Immobilie gebunden zu lassen, oder entwickelt sich das konzentrierte Aktiendepot sinnvoller?

Darauf gibt es heute keine belastbare Antwort. Der Vergleich braucht Zeit und muss auch ungünstige Phasen aushalten. Eine gute Börsenwoche beweist nichts. Ebenso wenig widerlegt ein vorübergehender Kursrückgang automatisch die gesamte Entscheidung.

Deshalb soll Kapitalexperiment nicht nur einen aktuellen Depotwert zeigen. Dokumentiert werden auch Ausgangslage, Annahmen, Risiken, Veränderungen und spätere Erkenntnisse. Das Ziel ist keine perfekte Rückschau, sondern eine nachvollziehbare Chronik mit offenem Ausgang.

Die Regeln

Woran sich das Experiment messen lassen muss

  1. Es geht um echtes Geld. Das dokumentierte Depot ist kein Musterdepot. Gewinne und Verluste betreffen mein eigenes Vermögen.
  2. Der Ausgang bleibt offen. Kapitalexperiment ist kein Versprechen, dass Aktien besser abschneiden werden als die verkaufte Immobilie.
  3. Schwache Phasen gehören dazu. Die Dokumentation soll nicht nur dann stattfinden, wenn das Depot steigt. Rückgänge, Fehlentscheidungen und veränderte Thesen gehören ebenfalls zum Experiment.
  4. Entscheidungen brauchen einen Grund. Käufe, Verkäufe und wesentliche Änderungen sollen nicht nur als Ergebnis erscheinen, sondern mit der damaligen Überlegung nachvollziehbar bleiben.
  5. Vergleich und Berechnung bleiben erklärbar. Wie wir die Entwicklung messen und welche Grenzen der Vergleich hat, wird in einem eigenen Beitrag transparent beschrieben.
  6. Öffentlichkeit bedeutet nicht vollständige Offenlegung. Grundidee, Verlauf und Erkenntnisse sind öffentlich. Konkrete Euro-Beträge, Stückzahlen und vollständige Gewichtungen bleiben im kostenlosen Mitgliederbereich.
  7. Niemand soll das Depot ungeprüft nachbauen. Das Depot passt zu meiner Situation, Risikobereitschaft und zeitlichen Beschäftigung mit den Unternehmen. Es ist keine Empfehlung für andere.

Risiken und Grenzen

Warum der neue Weg nicht automatisch der bessere ist

Ein konzentriertes Depot kann deutlich stärker schwanken als eine breit gestreute Anlage. Einzelne Fehlentscheidungen können den Gesamtwert erheblich beeinflussen. Bei einer einzelnen Aktie ist ein hoher Verlust bis hin zum Totalverlust möglich.

Hinzu kommen Markt-, Zins-, Inflations-, Währungs-, Regulierungs- und Unternehmensrisiken. Viele Depotpositionen notieren nicht in Euro. Dadurch kann sich neben der Kursentwicklung auch der Wechselkurs positiv oder negativ auswirken.

Auch der Vergleich selbst hat Grenzen. Eine Immobilie und ein Aktiendepot unterscheiden sich bei Liquidität, Kosten, Steuern, laufendem Aufwand und Risiko. Der spätere Zahlenvergleich muss diese Unterschiede benennen, statt eine scheinbar exakte Wahrheit vorzutäuschen.

Zwischenstand

Was heute bereits feststeht – und was nicht

Fest steht: Die Immobilie wurde verkauft, der vorgesehene Erlös ist investiert und die Entscheidung wird öffentlich dokumentiert. Ebenfalls fest steht, dass das Depot bewusst konzentriert ist und deshalb besondere Risiken trägt.

Noch nicht fest steht, ob die Entscheidung finanziell besser war. Diese Antwort kann erst über einen längeren Zeitraum entstehen. Genau deshalb heißt das Projekt Kapitalexperiment.

Nach oben